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Rede Neujahrsempfang 2018 - Margit Rosentritt

Es gibt ein Sprichwort das heißt: “ Wenn du willst, dass der liebe Gott was zu lachen hat, dann plane!“
Ich glaube ich habe dem lieben Gott 2017 einiges zum Lachen gegeben. Wenn sie sich daran erinnern, habe ich ihnen im letztes Jahr den Termin für unser Handwerkerfest mit Einweihung des Gewerkebaumes bekannt gegeben. Es wurde nichts daraus.
Ich möchte jetzt niemanden zu nahetreten, aber ich für meine Person bin wirklich heil froh, ein Handwerk gelernt zu haben und meine Brötchen nicht an einem Schreibtisch mit dieser ganzen zermürbenden Bürokratie verdienen zu müssen.
Vielen Dank all denen, die mir immer wieder Mut gemacht, und mich unterstützt haben. Vielen Dank Frau Dr. Keck Finanzreferentin der Stadt Schweinfurt und Herrn Deupner vom Landratsamt, die mitgeholfen haben, unser Projekt zu einem guten Ende zu bringen.
Und was auf alle Fälle erwähnt werden muss, ohne die charmante, fordernde und fachlich kompetente Art meines Stellvertreters Jürgen Weth wären wir heute noch nicht so weit.
Jedenfalls haben wir jetzt einen Standort und wir machen am 9.Juni einen zweiten Versuch.
Also in Neudeutsch: “save the date!“ oder wie ich lieber sage:“ merken sie sich den 9.Juni 2018 schon mal vor.
2017 war ein etwas ruhigeres Jahr. Zum einen sind wir in der Kreishandwerkerschaft recht gut organisiert, vieles läuft routinierter ab und zum anderen wollten wir natürlich unserem neuen Präsidenten Herrn Heußlein die Möglichkeit geben, sich in sein Amt einzuleben. Außerdem war ja auch der Wechsel unseres Hauptgeschäftsführers.
Herr Lauer, Sie dürfen in den wohlverdienten Ruhestand und Herr Paul, Sie hatten schon Zeit sich in Ihrer neuen Position zurecht zu finden, denke aber, es wird noch viel Neues auf sie zukommen.
Was mich bei beiden fasziniert, Herr Lauer sie waren einmal Faschingsprinz und in einem Faschingsverein aktiv und Herr Paul sie sind Sitzungspräsident der „schwarzen Elf“ gewesen. Da stellt sich mir natürlich die Frage: Kommt man mit Handwerkern besser aus, wenn man mit Narren schon einmal geübt hat.
Wir werden es auf uns zukommen lassen.
Viele Themen beschäftigen uns genauso wie im letzten Jahr. Wir kämpfen immer noch mit den gleichen Problemen wie Fachkräftemangel und Flüchtlinge
Und was jetzt immer lauter wird ist die Digitalisierung allgemein und für uns natürlich im Handwerk. Überall hört man Industrie 4.0 oder Handwerk 4.0.
Ich habe mich erst mal schlau gemacht und bin der Meinung, der ganze Trubel der darum gemacht wird, ist typisch für unsere Zeit.
1, 2, und 3 waren Entwicklungen, die große Veränderungen im Arbeitsablauf bzw. in der ganzen Wirtschaftswelt gebracht haben.
Eins/0 war die Dampfmaschine, zwei/0 die Fließbandarbeit und drei/0 die Einführung des Computers. Diese drei waren Entwicklungen die geschehen sind und im Nachhinein als revolutionär angesehen wurden.
Handwerk 4.0 und Industrie 4.0 wird im Vorfeld als Revolution gepriesen und soll dann über die gesamte Wirtschaft gestülpt werden.
Wobei böse Zungen ja behaupten: dass noch nicht alle bei 3.0 angekommen sind.
Ich frage mich, ob das wirklich so sein muss? Vielleicht bin ich ja etwas langsam und auch etwas altmodisch, aber ich habe den Eindruck, dass es hier viele Parallelen zu unserer Flüchtlingsintegration gibt.
Wir versuchen diese Menschen schnellstmöglich in eine Ausbildung zu stecken, bevor sie unsere Sprache und unsere Arbeitswelt verstehen und akzeptieren. Das kostet uns viel Geld, Anstrengung und ist für alle Seiten meist auch frustrierend. In vielen dieser Neubürger steckt mehr, wir lassen ihnen aber keine Zeit und wenn es tatsächlich jemand bis zur Abschlussprüfung schafft, ist die Durchfallquote recht hoch, oder es kommt ein mittelmäßiges Ergebnis heraus. Was für die Zukunft jedes Einzelnen sehr demotivierend ist.
Schauen wir uns einmal an, wie lange unsere Kinder Zeit haben und welche Angebote sie bekommen, um ihre Neigungen und Fertigkeiten auszuloten, um sich dann für einen Beruf zu entscheiden und in welcher Zeitspanne die Flüchtlinge in einer Fülle von Berufen, von denen sie noch nie etwas gehört haben, sich entscheiden sollen, womit sie ihr Geld verdienen. Hier sehe ich ein großes Ungleichgewicht der Verhältnisse.
Und genau dieses Ungleichgewicht sehe ich bei Industrie und Handwerk 4.0.
Ich wehre mich dagegen, dass jeder Handwerker, der nicht voll digitalisiert ist, als Hinderwäldler abgestempelt wird. Natürlich stellen wir uns auf die Digitalisierung ein aber die Umstellung muss passend zu jedem Unternehmen ablaufen.
Dazu möchte ich ihnen zwei kleine Begebenheit aus meinem Salon erzählen. Wir haben uns vor langer Zeit ein Hightech Wärmegerät gekauft. Bei unseren chemischen Behandlungen müssen wir die Haarstärke, das Mittel das wir verwenden und das Endziel eingeben. Das Gerät zeigt uns die optimale Einwirkzeit und Anschluss Behandlung an, die notwendig sind.
Nach ca. 4 Wochen haben wir die Hightech Funktion abgeschaltet. Jetzt haben wir ein einfaches aber teures Wärmegerät. Denn diesem Gerät fehlt die Erfahrung und vor allem die Individualität des Kundenwunsches. Ein Handwerker braucht nun mal den Draht zu seinem Kunden und diese Wünsche sind sehr vielfältig und das schafft kein Computer.
Die zweite Errungenschaft war das Bestellsystem in unserem Kassenprogramm.Die meisten von Ihnen kennen das ja. Ich gebe z.B. Ein, wie viele Farbtuben ich von einer Farbe im Salon benötige. Der PC zieht den Verbrauch automatisch ab und druckt aus, was nachbestellt werden muß. Soweit, so gut. Nur was das Programm nicht weiß, haben wir Sommer oder Winter, denn da ändern sich dieFarbwünsche unserer Kunden. Auch weiß das Programm nicht, welche Farbmode im Moment angesagt ist. Ich müsste diese Veränderungen jedesmal eingeben bevor ich meine Bestellliste ausdrucken lasse. Ganz ehrlich, mit einem Zettel und der Durchsicht meiner Produkte, bin ich ein ganzes Stück schneller.
Fazit, natürlich wird die Digitalisierung auch im Handwerk Einzug halten. Bei manchen Berufen mehr bei anderen weniger. So manche werden dadurch sicherlich Arbeitserleichterungen und Zeitersparnisse haben.
Aber jeder muss sich nach seinem Handwerk und seinem Betrieb richten., und natürlich auch nach seinen finanziellen Möglichkeiten, denn ganz billig ist diese Umstellung ja nicht.
Gut, dass uns unsere Fachverbände und natürlich unsere Handwerkskammern beratend und unterstützend zur Seite stehen.

Ein anderes Problem, dass uns im letzten Jahr etwas gedrückt hat und auch noch nicht ganz gelöst ist, war die Insolvenz des Afz. Die Jugendherberge in der Niederwerrnerstraße. Ist weggefallen und wir haben wieder einmal gelernt, dass es zwar heißt, "klappern gehört zum Handwerk" aber wir Handwerker klappern einfach zu wenig.
Alle Welt weiß, dass Studenten seltenst daheim studieren und deshalb gibt es auch viele Studentenwohnungen und Studentenheime.
Das aber unsere Handwerksjugend, Überbetriebliche Ausbildung haben, das heißt, zur Berufsschulischen und Betrieblichen Ausbildung kommen noch je nach Beruf so zwischen 3 und 12 Wochen externen Unterricht dazu, der meist in den Bildungszentren der Handwerkskammern oder Innungen stattfindet. Das wissen die wenigsten.
Durch die in den letzten Jahren getroffenen politischen Entscheidungen für die Spezialisierungen der Berufsschulzentren, müssen heute Azubis aus ganz Unterfranken z.B. nach Schweinfurt. Also brauchen wir Übernachtungsmöglich- keiten. Und für die Azubis unter 18 wird auch noch eine pädagogische Betreuung gebraucht. Diese ganze Problematik war mit der Jugendherberge, betreut durch das Afz, abgedeckt.
Die Insolvenz hat unserem Außenstellenleiter Herrn Planer und seinem Team ab November letzten Jahres eine logistische Meisterleistung abverlangt, ohne das jemand davon irgendetwas in der Zeitung gelesen hätte.. Tolle Leistung, vielen Dank!
Danke auch an die Stadt, besonders an Herrn Montag und seinen Mitarbeitern, die nach Erfahren der Problematik sich mit uns zusammengesetzt haben. Zumindest haben wir erstmal eine kurzfristige Lösung. Wie die Mittel und langfristige Lösungen ausschauen werden muss noch entschieden werden. Aber ich bin mir sicher, auch unsere Stadtoberen wissen um den Wert einer guten Ausbildung und auch die Notwendigkeit, unsere Fachkräfte an die Stadt und den Landkreis zu binden..
Vorträge im Landratsamt oder auch von der AOK, genauso wie Gespräche in der Agentur für Arbeit gehören zum normalen Jahresablauf meiner Obermeisterkollegen und mir. Unser Behörtengespräch mit unserem Oberbürgermeister hat im letzten Jahr nicht stattgefunden. Umso mehr freue ich mich, Sie Herr Remmele wieder gesund und voller Energie in unserer Mitte zu haben. Und ich hoffe, sie haben sich nicht zu sehr daran gewöhnt, um hegt und um pflegt zu werden.
So Herr Lauer, falls sie dachten, sie haben es schon überstanden, muss ich sie endtäuschen. Ich durfte sie als Dozent bei meiner Meistervorbereitung kennen lernen und dass ist schon ein paar Tage her. Ohne sie hätte ich mich sicherlich nicht schon mit 23 Jahren selbstständig gemacht. Sie haben mir Mut gemacht und an die richtigen Stellen verwiesen. Warum erzähl ich das Ganze?
Ich möchte einfach für alle, die sie noch nicht so lange kennen, den Rolf Lauer näherbringen, den manche von uns noch aus Schweinfurt gekannt haben.
Der Hauptgeschäftsführer, mit dem wir in den letzten Jahren zu tun hatten, war etwas härter. Was in der letzten Vollversammlung auch von ihnen erklärt wurde. Nach ihren eigenen Worten, sind sie im Laufe ihrer Karriere mindestens vier Mal ins kalte Wasser geschmissen worden und da kann ich ihnen als Fachfrau bestätigen, bei häufiger Kälteeinwirkung schützt sich die Haut indem sie dicker wird. Also sozusagen ein „dickeres Fell bekommt.“
Wir wissen alle um ihren Einsatz und ihre Verdienste im Laufe ihrer Amtszeit. Jeder hier könnte eine kleine Episode dazu beitragen. Und da passt was Anton Kner sagt: „Unser Leben ist die Geschichte unserer Begegnungen“ und so denkeich, ist in diesem Raum ein großer Teil ihres Lebens.
Für ihre weitere Zukunft wünsche ich ihnen und ihrer Frau alles erdenklich Gute und noch viele Herbstbälle im Kreis der Schweinfurter Handwerkerschaft.