logotype

SCHWEINFURT
Jetzt die Meister-Liga anvisieren
Freisprechungsfeier der Kreishandwerkerschaft: 118 Auszubildende sind nun Gesellen


In der festlichen Atmosphäre des Schweinfurter Theaters hat Kreishandwerksmeisterin Margit Rosentritt im Beisein von vielen Ehrengästen aus Politik, Verbänden und Schulen 118 junge Leute von den Pflichten der Ausbildung freigesprochen.

Für eine Überraschung ist Margit Rosentritt immer gut: Am Samstagnachmittag outete sie sich gewissermaßen als profunde Fußballexpertin, zumindest in Sachen Fußball-Weltmeisterschaft. Da sie aber auch mit ganzem Herzen Handwerkerin ist, verwundert es wohl nicht, dass sie einen direkten Bezug zwischen Fußball und Handwerk herstellte: „Etwas“ habe sie noch zum Thema Fußball, sagte sie zum Schluss ihrer Rede. „Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass es keinen Fußball-Weltbachelor oder Fußball-Weltprofessor gibt? Nein, für das absolute Können, der Beste zu sein, verwendet man die Bezeichnung aus dem Handwerk – den Titel des Meisters.“ Damit forderte Rosentritt die Junggesellen auf, auch ihre persönliche Meisterschaft, sprich den Meisterbrief, zu machen.

Beim Anschauen der Fußballspiele seien ihr einige Parallelen zur Ausbildung aufgefallen. 4:0 gegen Portugal sei vergleichbar mit einem tollen Einstieg in die Lehre, bei dem man sich auch an veränderte Bedingungen gewöhnen müsse. Die Spiele gegen Ghana und USA, geteilte Meinungen – vergleichbar mit der Probezeit, die in dem einen oder der anderen auch manchmal Zweifel hervorgerufen habe.

Dann das Achtel- und Viertelfinale: keine Spiele, die in die Geschichte eingingen. Aber Deutschland habe gewonnen. Das sei die Zeit der täglichen Routine in der Ausbildung, in der die „Null-Bock-Phase“ genauso vorhanden war wie die Selbstzweifel: „Das schaffe ich nicht.“ Eine Zeit, in der der gesamte Trainerstab, sprich Eltern, Lehrer und Ausbilder, gefragt ist.

Eine Ausbildung dauere nun mal länger als eine Fußball-Weltmeisterschaft, Durchhänger gebe es immer wieder. Aber wichtig sei nur, wieder die Kurve zu kriegen und zu einem optimalen Ergebnis zu kommen. Das hätten die jungen Leute nun geschafft, so Rosentritt: Jetzt müssten sie selbst entscheiden, in welcher Liga sie nun weitermachen werden. Die Zukunftschancen seien so gut wie selten zuvor. Das Handwerk brauche gute Gesellen, Meister und generell junge Menschen, die Verantwortung übernähmen.

Zum Abschluss bat die Kreishandwerksmeisterin die Freizusprechenden, sich von den Plätzen zu erheben, und verkündete: „Ich erhebe Sie hiermit in den Gesellenstand.“

Grüße für die Stadt und den Landkreis überbrachte bei der Freisprechungsfeier Landrat Florian Töpper. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Sebastian Remelé freue er sich über die Vollbeschäftigung in der Region. Die Industrie habe daran zwar einen großen Anteil: „Aber wir alle wissen, was wir an unseren Handwerksbetrieben haben.“

Das Handwerk halte viele Ausbildungsplätze bereit, tue sich aber manchmal schwer, diese auch besetzen zu können. Töpper richtete einen eindringlichen Appell an Schüler und Eltern, das ganze Spektrum des Bildungs- und Ausbildungsangebots im Auge zu behalten. Denn ein Handwerksberuf biete vielfältige Karrierechancen.

Auch Handwerkskammerpräsident Hugo Neugebauer rief die gerade Freigesprochenen dazu auf, jetzt nicht stehen zu bleiben, sondern sich im Beruf weiter zu verwirklichen. Über 50 Prozent aller Schüler strebten einen höheren Abschluss und ein Studium an. Allerdings seien nur rund 16 Prozent der Arbeitsplätze für Akademiker vorgesehen – ein Anteil, der in den nächsten zehn Jahren wohl auf 25 Prozent wachsen werde. Vor diesem Hintergrund werden es viele Studienabgänger schwer haben, einen Arbeitsplatz zu finden.

Die Innungsbesten: Bäckerinnung Schweinfurt-Haßberge: Bäcker: Arend Jurga (Bäckerei Wolfgang Müller, Haßfurt), Fachverkäuferin: Jeanine-Susan Crouse (Harald Fuchs, Bamberg). Bauinnung Schweinfurt und Haßberge: Moritz Rink (Firma Riedel Bau Schweinfurt). Fleischerinnung: Fleischer: Julian Gold, (Rudolf Geeb, Schweinfurt), Fachverkäuferin: Tina Wegner (Rudolf Geeb, Schweinfurt). Friseurinnung: Nina Nicoli (Nicole Bauer, Schweinfurt). Malerinnung: Miriam Radler (Firma Weipert, Stadtlauringen). Schreinerinnung: Matthias Wiesiolek (Firma Deeg, Dittelbrunn).

Quelle: mainpost.de
Autor: Herbert Götz