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Ich mõchte Ihnen einen kurzen Einblick in die Geschichte der Kreishandwerkerschaften allgemein geben.
Und außerdem  bin ich der Meinung, man ist für die Zukunft gerüstet, wenn man mit beiden Beinen in der Gegenwart steht und seine Vergangenheit kennt.

Deshalb werde ich Sie mitnehmen, in die Vergangenheit der Handwerkerschaft.
Beginnen möchte ich mit einem Auszug den ich gefunden habe.
" die Kreishandwerkerschaften sind, wenn auch in wechselnder Begrifflichkeit, die zweitälteste Organisationsform nach den Zünften bzw. Innungen. Gab es schon im Mittelalter Zunfthäuser, in denen z. T. Auch mehrere Zünfte ihr Forum hatten, so bildeten die vereinigten Zunft-oder Innungsausschüsse die erste anerkannte Organisationsform in neuer Zeit, die auch 1881 in der Reichsgewerbeordnung verankert wurde."

Auch heute führen die Kreishandwerkerschaften die Geschäfte der Ihnen angeschlossenen Innungen. In den Handwerksorganisationen schließen die Kreishandwerkerschaften die organisatorische Lücke zwischen der HWK und den Innungen.
Die Kreishandwerkerschaften als Körperschaft des öffentlichen Rechts bestehen seit 1934. Ihre Vorläufer reichen jedoch bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Seit den Jahren um 1880 versuchte der Staat das handwerkliche Ausbildungswesen das durch die völlige Gewerbefreiheit in der Zeit von 1869 bis 1871 sehr stark gelitten hatten, wieder zu beleben.

Durch das Gewerbegesetz 1881 organisierten die Handwerker auf Kreisebene Innungsausschüsse. Die Innungen waren allerdings noch schwach besetzt und viel Geld war natürlich auch nicht da.
Eine entscheidende Verbesserung trat mit dem Handwerkergesetz von 1897 ein. Durch die Errichtung von Handwerkskammern, deren Vollversammlung nun von den Innungen der Kammerbezirke gewählt wurden, nahm der Organisationsgrad einen merklichen Aufschwung.
Waren in Deutschland um 1900 nur ca. 20 % der selbstständigen Handwerker organisiert, so waren es knapp 2 Jahrzehnte später bereits
70 %
Schwerwiegende politische und wirtschaftliche Folgen des ersten Weltkrieges erschwerten den Wiederaufbau. Für die Handwerkerschaft hat eine schwierige Zeit begonnen.
Die Steuerpolitik wurde als äußerst mittelstandsfeindlich empfunden. Der Zwang eine betriebliche Buchführung einzusetzen und die Umsetzung der vielen neuen Vorschriften vergrößerten die Alltagssorgen.

Die Handwerksorganisationen wurden stärker, bis der 2. Weltkrieg begann. In dieser Zeit war Not und Elend für das ganze Volk.

Beim Wiederaufbau 1945 erwiesen sich die Kreishandwerkerschaften  als höchst effektive und unbürokratische Organisationsform-und Zuweisungsstellen für die Handwerksbetriebe. Nicht nur die Betreuung der eingesessenen Meister auch die Integration der zahlreichen Flüchtlingshandwerker haben sich die Kreishandwerkerschaften zu Eigen gemacht.

1948 wurde in den US-amerikanischen Zonen die völlige Gewerbefreiheit eingeführt. In den britischen Besatzungszonen blieben die deutschen Handwerksgesetze, die Kammern und die Kreishandwerkerschaften bestehen.
Ein Vergleich der beiden Systeme zeigt, dass in der amerikanischen Zone bezüglich der Qualität der Ausbildung, Produkte und Dienstleistungen rasch zu negativen Entwicklungen gekommen ist, wie man sie schon im 19. Jahrhundert kennen gelernt.

 1953 wurde eine neue Handwerksordnung verabschiedet. Von jetzt ab wurde der große Befähigungsnachweis  also unsere Meisterprüfung, für 91 Handwerksberufe verlangt.
Es gibt wieder die Handwerksrolle und die öffentlich rechtlichen Innungen und Kreishandwerkerschaften.
Die unterschiedlichen Entwicklungen der Kreishandwerkerschaften in ganz Deutschland hat, wie ich bereits erwähnt habe damit zu tun, dass es britische und amerikanische Besatzungszonen gegeben hat und in den amerikanischen Zonen ein stärkerer Aufbau nötig war.
Das Handwerk wurde Dank dieses Rahmenwerks zum Motor des deutschen Wirtschaftswunders

 So zeigt uns die Vergangenheit, dass diese Organisationen ihre Daseinsberechtigung haben und das wird sich auch für die Zukunft nicht ändern.
Und jetzt kann ich den Kreis schließen und komme zu unserer Kreishandwerkerschaft. Denn diese ist das Verbindungsstück, wie ich auch eingangs schon erwähnt habe, zwischen den Innungen und der Handwerkskammer.

Am 02. Juli 1954 wurde um 17.00 Uhr im Saal der HWK Außenstelle Schweinfurt in der Schultesstrasse 24 zur Sitzung geladen. Die Schweinfurter waren die letzten Handwerker in Unterfranken die eine Kreishandwerkerschaft gewählt haben.
Aber es ist ja bekannt, dass das Beste immer zum Schluss kommt.
Zu dieser besagten Sitzung wurden 24 Obermeister eingeladen und 22 Obermeister sind gekommen.

Der erste Kreishandwerksmeister von Schweinfurt war Herr Alois Türk seines Zeichens. Schlosserobermeister sein Stellvertreter war Herr Nagel, Bäckerobermeister. Zu dieser Zeit hat es noch 21 Kreishandwerksmeister in Unterfranken gegeben.

Erst zur Gebietsreform 1973 wurden die Gebiete so zusammen gefasst, dass wir, wie auch heute noch 9 Kreishandwerkerschaften in Unterfranken haben.

Die Kreishandwerksmeister und Ihre Stellvertreter haben wir auf einer gesonderten Seite.

Die Arbeit dieser Männer muss man würdigen.

Sie haben am Wirtschaftswunder mit geschafft. Sie waren aktiv dabei, als die Betriebe des Handwerks größer, moderner und leistungsfähiger wurden, als neue Maschinen, neue Werkstoffe, elektronische Datenverarbeitung und anderes mehr Einzug in die Handwerksbetriebe hielten. Über viele Jahre haben Sie mit Kraft, Fleiß und Durchhaltevermögen unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand mit aufgebaut. Sie haben zur Leistungsfähigkeit und zum Ansehen des Handwerks beigetragen. Vor allem haben Sie das im Ehrenamt getan, neben Ihrer Täglichen Arbeit und Verantwortung für den eigenen Betrieb.

Beim Durchlesen der Protokolle habe ich nachlesen können, was in diesen Zeiten die Handwerkerschaft beschäftigt hat.

Da gab es Diskussionen über die Einführung der Mehrwertsteuer,
Oder auch wie man das Junghandwerkersparen propagieren kann und
ein großes Thema war der Verkauf des Gebäudes in der Schultesstrasse und der Umzug in das Gebäude am Jägersbrunnen 1964. 

Faszinierend war es auch, wenn immer wieder über die Jahre Diskussionen aufgekommen sind, dass die zukünftigen Auszubildenden zu wenig Grundkenntnisse mitbringen, und dass das Soziale Umfeld viel
stabiler sein müsste.

Ein immer wieder kehrendes Thema war die freundschaftliche Pflege mit den Handwerkern der Partnerstätte.

Ein weiterer Umzug ist dann noch dazu gekommen. Die Handwerkskammer hat 1986 mit dem Bau neuer Räumlichkeiten in der Galgenleite begonnen und ist im Dezember 1987 eingezogen und die Kreishandwerkerschaft mit Ihr.

Eine große Veranstaltung war die Ufra alle zwei Jahre. Aktionen die den damaligen Kreishandwerksmeistern Herrn Wirth und Herrn Wachter viel Arbeit und Nerven gekostet haben. Aber es hat sich gelohnt, das Handwerkerzelt war immer eine Attraktion.

Natürlich haben sich die jeweiligen Verantwortlichen auch mit eingemischt, wenn es um  Kompetens Zentren und zusammenfassen der Berufsschüler in den verschiedenen Gewerken gegangen ist.

Und dass die Kreishandwerkerschaft sich Ihrer Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft bewusst ist zeigen Spendenaktionen für Hochwasseropfer in verschiedenen Ländern.

Außerdem haben wir uns in der Kreishandwerkerschaft nach einer Idee der Elektroinnung, die einen Skater-event veranstaltet hat, vorgenommen, immer wieder einmal  eine Aktion für die Jugend ndjung gebliebenen zu organisieren. So kann ich an dieser Stelle gleich mit einbringen, dass wir unterhalb des Wildparkes einige Gerätschaften für einen Naturerlebnispfad der Öffentlichkeit übergeben.
Wobei, das eigentliche Herzstück der Kreishandwerkerschaft war und ist die Sekretärin in der Geschäftsstelle. Hier möchte ich Frau Volk, Frau Mayer, Frau  Fröschl und seit über zehn Jahren unsere Frau Rapp nennen.

Danke Ihnen allen die uns die Jahre unterstützt haben und nicht vergessen, das Schweinfurt zwar eine Industriestadt ist, Sie das aber nur sein kann, weil es schon immer starke Handwerker gegeben hat und hoffentlich auch weiterhin gibt.

Für die Zukunft wünsche ich mir:
Weiterhin Handwerker und Handwerkerinnen, die bereit sind Verantwortung in Ehrenämtern zu übernehmen.
Überzeugungskraft für die vielen Eltern, die immer noch nicht wissen, dass ein Handwerksberuf das Leben lebenswert machen kann.
Und die Energie das Handwerk immer wieder ins Gespräch zu bringen.

Und nun möchte ich mit einem Satz des ehemaligen Präsidenten des ZDH Herrn Joseph Wild enden: die Geschichte des Handwerks ist nicht nur Geschichte der Technik, sondern darüber hinaus auch ein wichtiges Stück der Wirtschafts- und Kulturgeschichte.

Gott segne das ehrbare Handwerk

Ihre Kreishandwerksmeisterin
Margit Rosentritt