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Rede Neujahrsempfang 2016 - Margit Rosentritt

 

Sie sehen und hören, ich darf auch heute wieder zu Ihnen sprechen. Was nichts Anderes heißt, als das mich meine Obermeisterkolleginnen und Kollegen nach meiner dreijährigen Lehrzeit als Kreishandwerksmeisterin in eine Festanstellung übernommen haben. Und das, obwohl ich vor der Wahl meine Wünsche im Falle einer Wiederwahl geäußert habe.
Ein bisschen stolz bin ich auch, dass man uns dreien, also meinem Stellvertreter Jürgen Weth, unserer Geschäftsleitung Gitte Rapp und mir eine "gute Arbeit" bescheinigt hat, und das in Franken, wo doch "nix geschimpft , gelobt genug ist".
Es ist aber auch ein Leichtes, gute Arbeit abzulegen, wenn man mit motivierten Menschen zusammen arbeiten darf. vielen Dank Euch beiden für eure Einsatzbereitschaft und vor allem für ein ehrliches Miteinander.
Im letzten Jahr habe ich im Anschluss an meine Rede so viel Lob von Ihnen bekommen, besser hätte das Jahr gar nicht anfangen können. Allerdings entwickelt sich dadurch natürlich auch so eine Erwartungshaltung, dass meine Nervosität in keinster Weise geringer wird.
Bei meinem Ehrenamt habe ich gemerkt, dass durch eine gewisse Routine doch einiges schneller von der Hand geht. Und manche Veranstaltungen, die ich zu Beginn mit angestoßen und organisiert habe, sind zum Selbstläufer geworden. So ist es mittlerweile mit unseren Behördengesprächen.

Vielen Dank Ihnen Herr Oberbürgermeister Remele und unserem Landrat Herrn Töpper für die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit. Natürlich gebührt hier mein Dank auch dem jeweiligen Team das dahinter steht denn alleine ist diese Vielfalt von Arbeit auf keinen Fall zu bewältigen.
Trotz mehr Einblick und manch angeeignetem Wissen war auch 2015 wieder ein Jahr mit interessanten Herausforderungen.
Ebenfalls zu unseren turnusmäßigen Treffen gehören die Gespräche mit der Agentur für Arbeit. Vielen Dank auch Ihnen Herr Stelzer für die regelmäßige Aufklärung und die unbürokratischen Hilfen die Sie und Ihre Mitarbeiter uns bieten.
Aufgrund eines Gespräches mit Ihnen Herr Stelzer, habe ich einen Bewerbungsbogen ausgefüllt, bei dem die familienfreundlichen Arbeitgeber Mainfranken ausgelobt werden sollten, dabei wurde mir wieder ganz deutlich klar, wir im Handwerk klappern zu wenig. Obwohl das Sprichwort ja heißt: "klappern gehört zum Handwerk!"
Wobei zu berücksichtigen ist, dass es mir bei diesem Thema in erster Linie um die klassischen Handwerksbetriebe bis zu zehn, zwölf Mitarbeiter geht.
Gleich vorneweg, ich bin aus der Bewertung mit viel Lob rausgefallen, weil ich die einzige war, die in dieser Mitarbeitergröße mitgemacht hat.
Ein Thema der Befragung war der Service für die Familie! Punkte wie kurzfristige Kinderbetreuung, Unterstützung bei der Wohnungssuche, Arbeitsfreistellung im Notfall sollten durch Projektgruppen und Dokumentationen für den Ernstfall betitelt werden.
Jetzt ist es aber so, dass wir Handwerker seltenst unsere Zeit damit vertun zu überlegen: "was würden wir machen wenn...." nein, dann wird einfach gehandelt.
Zeigen Sie mir doch einen Handwerksmeister oder Meisterin mit den dazugehörigen Partnern, die bei Problemen der Mitarbeiter diese im Regen stehen lassen!
Noch bevor große Unternehmen darauf gekommen sind, wie heißt das heute? Ihre Arbeitnehmer da abzuholen wo sie sind und mit ins Boot zu nehmen, haben wir im Handwerk schon immer gewusst, wenn's unseren Mitarbeitern gut geht, geht es der Arbeit und somit dem Unternehmen gut.
Übrigens, auch die Idee der Weihnachtsgratifikation ist im Handwerk geboren.
Die Schuhmacher haben zu Weihnachten Ihren Lehrlingen und Gesellen ein Stück Leder geschenkt, womit sie sich selbst ein Paar Schuhe fertigen konnten. Und diese Idee des zusätzlichen Geschenkes haben dann die verschiedenen Zünfte übernommen. Ohne irgendeinen Zwang oder einem Gesetz.
Wir im Handwerk machen nur immer den Fehler, wir reden zu wenig darüber. Wir könnten natürlich auch einen bunten Sticker für viel Geld entwerfen lassen: auf dem steht "Handwerk ist Familienfreundlich" Aber das wäre das gleiche, wenn ich mit einer Anstecknadel herum laufen würde, auf der steht: "ich bin eine Frau!"
Handwerk ist die Garantie für mögliche Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Hilfen und Service für die Familien sowie Informations- und Kommunikationspolitik.
Allerdings steht für uns alle noch etwas an erster Stelle - und das ist der Kundenwunsch! Der ist uns wichtig, von Ihm lebt der ganze Betrieb. Deshalb bestimmt auch weitgehend der Kunde unsere Flexibilisierungsmöglichkeiten der Arbeitszeiten. Sie alle kennen diese Wünsche.
Auch das ist meiner Meinung ein Punkt, warum junge Menschen sich nur zögerlich für eine Karriere im Handwerk entscheiden. Denn bei uns langt es nicht, nur fachlich top zu sein, manchmal erwartet die Gesellschaft mit all Ihren Institutionen etwas von einem selbstständigen Handwerksmeister, was man in Bayern als die "eierlegende Wollmilchsau, die auch noch fliegen kann" bezeichnet.
Glücklicherweise gibt es noch junge, interessierte und engagierte Handwerker.
Im Frühjahr habe ich Gewerke übergreifend Meister und Meisterinnen zu einem Gespräch eingeladen. Es sind mehr gekommen als ich erwartet hatte und wir waren uns einig, uns in regelmäßigen Abständen immer wieder zu treffen und auszutauschen. Es tut uns allen gut, jungen Leuten zuzuhören und ernst zu nehmen. Vor allem wenn wir möchten, dass diese in die Ehrenämter für die Zukunft hinein wachsen.
Und nicht nur das sind wir unserem Nachwuchs schuldig. Wir müssen gemeinsam auch gegen diese immer stärker werdenden Veränderungen der Strukturen im Handwerk angehen. Um unserem Nachwuchs ein sicheres und lebenswertes berufliches Auskommen zu sichern.
Großbetriebe und Einpersonenbetriebe wachsen. Der solide Mittelständige Handwerksbetrieb verliert an Bedeutung. Der wird nur dann aus dem Hut gezogen, wenn er gesellschafts- und wirtschaftspolitisch gebraucht wird. Denn das sind die Betriebe die Inklusion und auch Integration leben, die den Jugendlichen die noch nicht die nötige Ausbildungsreife haben, aber auch denen die merken, dass das gewählte Studium doch zu theoretisch ist, eine Chance geben.
Wir haben bei der letzten Novellierung nicht gestreikt, obwohl die Reduzierung der meisterpflichtigen Gewerke für das gesamte Handwerk ein Schlag unter die Gürtellinie war. Wenn man ehrlich ist, muss man auch zugeben, dass man mit der Novellierung und den Ich-Ag's weit übers Ziel hinausgeschossen hat. 42 Prozent der Handwerksbetriebe sind ein Mann oder Frau-Betriebe und laut einer Statistik vom zweiten Quartal 2015 bekommt jeder vierte dieser Selbstständigen, Hartz 4, um davon leben zu können. Wenn man sich dann überlegt, dass wir mit unseren Steuergeldern unsere Mitbewerber unterstützen, dass diese ihre Arbeit zu Niedrigpreisen anbieten können hat man doch das Gefühl, das da irgendetwas nicht stimmt.
Ich hege ja noch immer die Hoffnung, dass Politiker irgendwann einmal die Größe besitzen und zugeben, dass diese Entscheidungen nicht ganz richtig waren und eine Korrektur angehen. Denn hier wurde etwas demontiert, was Deutschland aufgebaut und stark gemacht hat, und auf das wir zu Recht stolz sein können.
Leider hat Tradition in Deutschland immer etwas verstaubtes. Es ist schade, denn ich denke, wenn man weiß woher man ist und wie sich manches im Laufe der Zeit entwickelt hat, fällt es einem auch leichter, seinen Weg zu finden und welche Entscheidungen man zu treffen hat.
Wenn ich von Politikern spreche, dann meine ich das natürlich ganz allgemein und vor allem die in Berlin sitzen. Wir hier können eigentlich ganz zufrieden sein, mit der Unterstützung unseren regionalen Politikern, das haben wir erst wieder "am Tag des Handwerks" gesehen. eine Veranstaltung zur Präsentation der verschiedenen Handwerksberufe mit einem Wettbewerb, bei dem die Teilnehmer ihr handwerkliches Geschick messen konnten. Außerdem für Politiker auch eine Möglichkeit sich mit Handwerkern zu unterhalten, um aus erster Hand über Probleme zu erfahren mit denen wir uns tagtäglich abgeben müssen.
Parteiübergreifend handeln unsere regionalen Politiker glücklicherweise auch weniger danach, dass das Erzählte reicht, sondern mehr das das Erreichte zählt. Sie kommen, hören zu und manchmal hat man auch das Gefühl, sie nehmen etwas von dem Gesagten mit. Besonders löblich ist es, dass dies nicht nur in Wahljahren passiert.
Natürlich möchte ich Ihnen auch zum Thema Flüchtlinge etwas mit auf den Weg geben. Das wichtigste ist, dass wir bei diesem Thema ehrlich miteinander sein sollten. Wir werden nicht alle Flüchtlinge in eine Ausbildung bzw. in den ersten Arbeitsmarkt bekommen. Deshalb muss man Geld und Zeit in die Hand nehmen um diejenigen, die eine Ausbildung schaffen würden auch heraus zu sortieren und Ihnen dann so viel Zeit geben, eine gute Ausbildung abzulegen. Wenn wir für die Zukunft ein anständiges miteinander planen wollen, dann brauchen wir Neubürger die uns in Sprache und Schrift verstehen. Wir können und wollen keine Modulausbildungen, die nützen auf Dauer niemanden. Es bringt uns auch nichts, die jungen so gerade durch eine Gesellenprüfung zu schieben, egal welche Nationalität jemand hat. Ich weiß, jetzt kommt die Frage, wer soll das alles bezahlen, besser wäre es doch, wenn wir schnellstmöglich so viele wie möglich zum Arbeiten bringen. Aber das ist auf alle Fälle zu kurz gedacht. Wir haben zu Recht mittlerweile den Mindestlohn und unsere Tariflöhne. Aber der muss auch erarbeitet werden. und wer das nicht kann, wird dann wohl wieder in der Agentur für Arbeit, bzw. im Jobcenter aufschlagen und das wäre Zündstoff für eine politische Entwicklung die wir alle verhindern müssen.
Mir hat gefallen, was der Ehrenpräsident des BDI Herr Sohl gesagt hat. Er meinte: In solch einer Welt kann man nur zusammenleben, wenn man nicht Misstrauen zur Grundlage seiner menschlichen Handlung macht. Was wir brauchen, ist Mut zum Vertrauen.
Ich weiß, jeder der mit dem Thema Flüchtlinge zu tun hat, kommt im Moment an seine Grenzen oder hat sie schon erreicht. Gerade deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen mich zum einen beim Leiter der Berufsschule 3 Herrn Schöler zu bedanken. Sie haben im letzten Jahr des Öfteren ihren Kopf hingehalten, um Flüchtlingen, den regulären Auszubildenden und der Lehrerschaft gleichermaßen gerecht zu werden. Genauso, wie sie es immer schaffen, uns, den kleinen Teil der gewerblichen Ausbildungsberufen voll miteinzubeziehen. ihr Engagement geht weit über Ihre Pflicht hinaus.
Bedanken möchte ich mich auch bei Jürgen Montag, der versucht andere Wege zu gehen, obwohl er weiß, dass er damit auf der Beliebtheitsscala nicht auf Platz eins kommt und bei Thomas Planer, der auch wenn er nicht ganz von etwas überzeugt ist, trotzdem sein Bestes gibt und eine Aktion mit trägt. Vielen Dank euch beiden.
Miteinbeziehen in meinen Dank möchte ich auch Frau Türck und Herrn Maul, die beide auf ihre optimistische Art Dinge anschieben und steuern, so dass es Spaß macht, sich mit einzubringen.
Es ist auch kein Ritual, es liegt mir sehr viel daran, mich bei meinen Obermeisterkolleginnen und Kollegen zu bedanken. Besonders bei der Fleischer und Bäckerinnung. Beide Innungen haben die Geschenke zum Tag des Handwerks gestiftet. Von der Metallinnung haben wir in der Geschäftsstelle einen neuen Farbdrucker bekommen und die Sanitär und Heizungsinnung hat die Neujahrsgeschenke für heute Abend übernommen. Sie sehen, ich habe bei so viel Großzügigkeit keinen Grund zu klagen.
Und obwohl der Welpen-Schutz den ich am Anfang meiner Amtszeit von der Handwerkskammer bekommen habe, langsam vorbei ist, kann ich mich über keinerlei Schwierigkeiten beklagen. Vielen Dank unserem Präsidenten, lieber Hugo und unserem Hauptgeschäftsführer Herrn Lauer, natürlich mit der gesamten Mannschaft dahinter.
Und worauf wir auch noch stolz sein können, sind unsere Unternehmerfrauen im Handwerk. Sie haben im letzten Jahr ihr 20- jähriges Bestehen gefeiert. Außer dass es eine sehr gut organisierte und kurzweilige Veranstaltung war, Sind die Unternehmerfrauen eine Interessenvertretung die an der "Wirtschaftsmacht von nebenan" einen erheblichen Teil dazu beigetragen hat, dass das Handwerk heute so gut dasteht.
Ich weiß leider nicht, wer zuständig ist für die Ernennung wie den Tag des Baumes oder Tag des Kusses. Aber wenn es nach mir ginge, würde es auch einen Tag der Partner für alle Ehrenamtsträger geben. Denn Sie haben sich so eine Würdigung auf alle Fälle verdient. Vielen Dank für die Unterstützung und das Verständnis das sie tagtäglich aufbringen.
Sie wissen mittlerweile ja, dass ich keine Kugel habe, die mich in die Zukunft schauen lässt, aber ich freu mich auf 2016 es wird sicherlich ein interessantes Jahr mit vielen Herausforderungen und wir werden alle versuchen unser Bestes zu geben.
Für das kommende Jahr wünsche ich Ihnen soviel Spannendes wie sie aushalten können, soviel Erfolg wie sie möchten, soviel Liebe wie Sie kriegen können, soviel Gesundheit wie es geht und so viel Glück wie nur möglich.
Gott segne das ehrbare Handwerk!