logotype

Rede beim Neujahrsempfang 2015 von Margit Rosentritt

Meine Lehrzeit als Kreishandwerksmeisterin ist fast beendet.
Ich habe eine Lehrzeitverlängerung von drei auf dreieinhalb
Jahre bekommen. Und ob ich übernommen werde, meine
Obermeister werden das im Frühjahr entscheiden.

Mit diesem Amt habe ich, wie jeder Auszubildende einen neuen
Wochenrhythmus bekommen, viele nette Menschen kennen gelernt
und mit der Zeit auch mehr Verantwortung übernommen.
Mein Ausbilder, in meinem Fall mein Vorgänger Udo Wachter war
und ist da, wenn ich Ihn brauche.
Die zwei Ausbildungspaten die ich habe, Gitte Rapp und Jürgen
Weth helfen mir wo es nur geht.
Meinen Obermeisterkolleginnen und Kollegen, meinen
Kreishandwerksmeisterkollegen sowie allen Verantwortlichen der
Handwerkskammer kann ich ein sehr gutes Miteinander bescheinigen.
Also alles in Allem, kann ich mich nicht beklagen.
Ich wünsche jedem eine Lehrzeit wie ich sie hatte

Eigentlich habe ich ja das Gefühl, wir waren erst hier und waren
gespannt, was uns das Jahr 2014 bringt und jetzt erwarten wir
schon 2015.
Aber wenn die Zeit schnell vergeht, hat es ja Spaß gemacht.
Jeder von Ihnen weiß, wie lange eine halbe Stunde sein kann,
wenn man beim Zahnarzt auf dem Stuhl sitzt.

Es könnte aber auch daran liegen, das wir uns unterm Jahr relativ
häufig gesehen haben und wir eigentlich viel Zeit miteinander
verbringen.
Deshalb ist der Neujahresempfang für mich schon fast wie ein
Familientreffen und ich freue mich, mit Ihnen das neue Jahr zu
beginnen.
Im letzten Jahr habe ich meine Rede mit dem Wunsch geendet, dass
wir immer die richtigen Menschen um uns haben, die wir brauchen.
Dafür darf ich mich ganz herzlich bei ihnen bedanken,
für mich ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.

2014 war für uns in der Kreishandwerkerschaft ein besonderes
Jahr, es war neben den normalen Terminen, geprägt von den
Vorbereitungen für unser 60 jähriges Jubiläum.
Im Nachhinein kann man, glaube ich, schon sagen,
es war eine gelungene Veranstaltung.


Ich habe mich sehr über die Teilnahme der Auszubildenden
gefreut und bin dankbar, auch hier die richtigen Menschen an
meiner Seite zu wissen.

Bei der zweiten besonderen Aktion im letzten Jahr war mein Einsatz
geringer, ich habe sie auf breitere Schultern weitergegeben.
Jürgen Weth hat die Organisation des Naturerlebnispfades
übernommen. Mit den Obermeisterkollegen und dem städtischen
Forstamt etwas wirklich Gutes auf die Beine gestellt.
Auch an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank.

Eigentlich hat es jeder einzelne von Ihnen verdient, dass ich mich
persönlich bei Ihnen bedanke. Sie unterstützen die
Kreishandwerkerschaft und geben uns die Möglichkeit mit Ihnen über unsere Probleme zu sprechen und gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen.

Bei einem Forum der Agentur für Arbeit wurden Möglichkeiten
aufgezeigt, wie sich Betriebe familienfreundlicher gestalten könnten.
In unsere Obermeistersitzung sind wir allerdings zu der Erkenntnis
gekommen, dass der Großteil der Handwerksbetriebe schon aufgrund des nahen Kontaktes zum Mitarbeiter stärker auf familiäre Belange eingeht. Ein Bericht im Handwerksmagazin schreibt:
38% aller Handwerksbetriebe führen Arbeitszeitkonten,
70% bieten Teilzeitbeschäftigungen, jeder dritte Betrieb nutzt flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten oder entsprechende Gleitzeitmodelle.Und junge Väter und Mütter haben die Möglichkeit eine
Teilzeitausbildung zu absolvieren.


Das einzige Problem, - wir im Handwerk machen viel aber wir
hängen es nicht an die große Glocke und vieles ist für uns
selbstverständlich, wo andere einen Zeitungsbericht daraus machen.

Zwei Veranstaltungen von Verdi haben mich auf die Idee gebracht, in der Obermeistersitzung nachzufragen, wie es in den
verschiedenen Gewerken mit dem Lohn für Männer und Frauen
aussieht.
Und hier kann ich verkünden, dass wir keinen Arbeitskreis
brauchen. Für gleiche Arbeit gibt es im Handwerk einen
geschlechtslosen Lohn.

Schule/Wirtschaft eine Gruppe in der sehr viele verschiedene
Meinungen aufeinander treffen und trotzdem immer ein freundliches Miteinander herrscht.
Es ist mir auch klar, dass bestimmte Sachen nicht von heute auf
morgen geändert werden können, aber einige Gedanken sollte man
schon festhalten, vielleicht schaffen wir es zukünftig die Richtung
etwas zu ändern.
Wundern wir uns wirklich, warum die praktischen Fähigkeiten
unserer Kinder immer weniger ausgeprägt sind? Wer weiß in den ersten vier Schuljahren ob das eigene Kind praktische Fähigkeitenhat? Es gibt wohl das Unterrichtsfach: werken und textiles
Gestalten, aber laut Auskunft, legen die Eltern keinen besonderen Wert auf dieses Fach.
Was natürlich eine logische Entwicklung ist, wenn zum Übertritt
nur die theoretischen Noten zählen, warum sollte man sich in dem
Praktischen Fach anstrengen?

Im Moment werden auch immer wieder Projekte unternommen um
Gymnasiasten die praktischen Vorgehensweisen näher zu bringen.
Was ja eine gute Sache ist.



Uns wird stolz präsentiert, dass es im Gymnasium einen P-Zug gibt.
Hier werden zwei verschiedene Projekte angeboten, die von der 11 bis 14 Jahrgangsstufe erarbeitet werden und die Schüler können von den
900 Punkten die sie für das Abi brauchen einen Teil der Punkte
erarbeiten. Für das wissenschaftliche Projekt sind es 60 Punkte, für
das praktische 30 Punkte. Muss ich dazu mehr über die Wertigkeit
sagen?

Außerdem würde es mich schon interessieren, wer eigentlich
angefangen hat, die schulischen Prüfungs- Anvorderungen immer
weiter herunter zu schrauben.
Sie brauchen jetzt nicht mit der Stirn zu runzeln, wir wissen doch alle, dass der heutige Realschulabschluss unser früherer Quali war, und so setzt sich das fort.

Und wenn heute zu viele in einer Gesellen- oder Meisterprüfung durchfallen, müssen sich die Prüfer dafür rechtfertigen, nicht die Prüflinge.

Es kann doch nicht sein, das die Anforderungen herunter
geschraubt werden und gleichzeitig zu erwarten, dass die immer
höheren Anforderungen der Verbraucher oder der vorgeschriebenen Normen erfüllt werden.
Ich möchte wieder dazu kommen, dass in Deutschland Qualität
und nicht Quantität zählt.

Manchmal hört man hinter vorgehaltener Hand: Das ist politisch so
gewollt.
Na ja, Politiker und ihre Entscheidungen, ein Abend füllendes Thema.
Anwesende sind natürlich ausgenommen, zumal mir bewusst ist, dass wir bei unseren zwei Vertretern im Landtag Politiker haben, die dem Handwerk zugetan sind.

Aber das eine und andere muss ich doch noch loswerden.

Der Großteil von Ihnen ist verheiratet oder lebt in einer Partnerschaft. Und so eine Verbindung wird gut, wenn jeder in dieser Gemeinschaft
so bleiben darf, wie er oder sie ist. Und so ähnlich sehe ich es auch mitEuropa.
Ein gemeinsames Europa ist gut und bringt sicherlich viele Vorteile.
Aber um die notwendige Akzeptanz bei der Bevölkerung zu
bekommen, ist es wichtig, das jedes Land seine Eigenheiten und
Traditionen wahren kann.

Dazu gehört, dass Deutschland eine Handwerkstradition hat und die
müssen und wollen wir behalten.
Diese Tradition fußt nicht nur auf eine Gesellen- und
Meisterprüfung, sie wird auch getragen durch die enge
Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Chef, von Achtung und
Vertrauen und von mündlichen Absprachen die mit einem Handschlag besiegelt werden können.
Leider wird das alles durch die Dokumentationswut langsam kaputt
gemacht.

Wie kann ich meinen Mitarbeitern Vertrauen signalisieren, wenn
ich aufschreiben muss, wann sie zur Arbeit kommen, von wann biswann sie Mittagspause haben und wann sie Feierabend machen.
Mündige Mitarbeiter, die auch Verantwortung übernehmen sollen
behandelt man anders.
Außerdem wundert es mich schon, dass es in der Industrie eine
Vertrauensarbeitszeit gibt und die Mittagspausen nur erfasst werden,
wenn der Mitarbeiter das Betriebsgelände verlässt.
Es ist natürlich auch unvorstellbar, dass der Zoll einen der
Schweinfurter Großbetriebe umstellt und die Arbeitszeiten kontrolliert.Denn dort würde die ganze Rechtsabteilung antreten. Insofern ist es
natürlich verständlich, die Handwerksbetriebe zu gängeln.
Wir haben ja nicht alle eine Horte von Anwälten auf unserer
Gehaltsliste.
Ich fürchte mich vor den Tag, an dem wir gezwungen werden
täglich ein Diktiergerät zu tragen, das ganze am Abend in den PC
einspeichern zu müssen, und das Ganze mit einer
Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren.
Na ja, es heißt ja immer, man muss nicht alles verstehen. Aber
nachdem, wie ich vorhin bemerkt habe noch in der Ausbildung bin,
würde ich schon gerne noch etwas verstehen.

Ich habe, wie viele andere Handwerker auch, mich selbstständig
gemacht. Bezahlt mit unserem eigenen Geld. Habe seit 30 Jahren mein Geschäft und zahle seit 30 Jahren regelmäßig Steuern. Wir
geben auch 12 Frauen einen Arbeitsplatz und bilden aus.

Trotzdem darf ich mein Eigentum nicht verschenken, nein es gibt
sogar immer neue Ideen wie der Staat bei der Weitergabe des
Betriebes daran verdienen kann.

Eigentlich könnte man doch dann auch einführen, das jeder
Abgeordnete, wenn dessen Mandat in andere Hände übergeht,
eine Übergangssteuer bezahlt. Das wäre nur gerecht.

Es gäbe noch so viele Themen, Flüchtlingspolitik, steuerliche
Anerkennung von Handwerkerleistungen und, und., und
Da ich aber Angst habe, doch noch von meinem Präsidenten die Ohrenlang gezogen zu bekommen, wenn ich wieder alle Themen anspreche,die uns Handwerker belasten höre ich mit den politischen Themen lieber auf, zumal es auch noch erwähnenswerte Aktionen der
Kreishandwerkerschaft gegeben hat.

Hoch erfreut bin ich über die Beteiligung an unseren Knigge-
Seminaren. Drei Kurse fūr Auszubildende und eines für Gesellen. Bei der Auswertung der Beurteilungsbögen ist es schön wenn man liest: "hätte ich gerne schon früher gemacht",
"möchte ich gerne ein Aufbau-Seminar" oder auch:
"hat mir wirklich etwas gebracht".
Und dass sich die Meister nicht diskriminiert fühlen, werden wir
dieses Jahr auch ein Seminar für Führungskräfte organisieren.

Lobenswert finde ich auch unsere Zusammenarbeit mit dem
Landratsamt und dem Rathaus, was natürlich an den jeweiligen
Dienstherren liegt.
Im letzten Jahr waren wir im Landratsamt, durch
Unsere Behördengespräche können manche Probleme auch auf den
kleinen Dienstweg geklärt werden, und manchmal laden wir uns
kurzerhand Referatsleiter vom Amt für öffentliche Ordnung in eine
Obermeistersitzung ein.

Einige Termine haben wir zusammen mit den Unternehmerfrauen
organisiert, auch hier herrscht ein gutes Miteinander.

Dann war auch noch der Besuch unserer Stadträte hier in der HWK beider KHWS. Es hätten etwas mehr kommen können und ich bin noch
am überlegen, ob der Termin nicht so gut war, oder ob das Interesse
fehlt. Denn das wir 2015 kein Wahljahr haben, daran kann es
sicherlich nicht gelegen haben. Wir werden sehen wie es 2016 aussieht.
Sie merken, im Großen und Ganzen können wir mit den Partnern in unserer Region wirklich sehr zufrieden sein

Und wie geht es weiter? Politisch werden wir noch so manche Kröte
schlucken müssen, aber auch hier wird das Handwerk wieder gestärkt daraus hervor gehen.
In der Kreishandwerkerschaft werden wir weiter die
Überzeugungsarbeit leisten, dass auch der letzte versteht, dass das
Handwerk eine lebenswerte Zukunft bringt.

Mittlerweile wissen Sie wahrscheinlich auch schon was jetzt kommt.
Frei nach Wilhelm Busch: „es ist ein lobenswerter Brauch, wer was
gutes bekommt, der bedankt sich auch!“

Deshalb an all unsere Lebensgefährtinnen und Lebensgefährten, mit
oder ohne amtliches Siegel, großes Dankeschön fūr die Unterstützung
und dass ist nicht nur eine Floskel.
Uns ist schon bewusst, dass Sie immer wieder einmal zurückstecken
müssen und deshalb wünsche ich uns alle für 2015
Wieder mehr wollen zu können und weniger müssen zu müssen.

Gott segne das ehrbare Handwerk.